Kasan

1005 von den Bulgaren als Festung und Handelsplatz gegründet, liegt Kasan etwa 800 km östlich von Moskau am Ufer der Wolga. Nach der mongolischen Invasion wurde Kasan zur Hauptstadt eines Fürstentums unter Herrschaft der Goldenen Horde, danach wurde es Sitz des Tataren Khanate. 1552 eroberte der russische Zar Ivan der Schreckliche die Stadt – und heute ist Kasan eine der wohlhabendsten Städte Russlands sowie Hauptstadt der Republik Tatarstan und genießt einen hohen Grad an Autonomie in der Russischen Föderation. Viele Einwohner sprechen ihre eigene Sprache und halten an ihrer Religion, ihrer Kultur, ihren Traditionen und Gebräuchen fest – offiziell wird Kasan als „Dritte Hauptstadt Russlands“ bezeichnet, neben Moskau und St. Petersburg. Wenn auch so herausragende historische Persönlichkeiten wie Lenin und Tolstoi an der Universität von Kasan studiert haben, ist und bleibt Kasan Treffpunkt der westlichen und östlichen Welt, hier begegnen sich tatarische, russische und europäische Traditionen und Kulturen. Die Stadt teilt sich in einen russischen und einen tatarischen Bezirk, diese werden durch den Qabansee und den Bolaqkanal getrennt. Die Kuppeln der russisch-orthodoxen Kirchen einerseits und der Minarette der Moscheen andererseits geben der Stadt eine ganz besondere Atmosphäre – dieser bunte Mix von Kulturen, die sich über Jahrhunderte entwickelt haben, macht Kasan so einzigartig. Die Stadt ist ein bedeutendes kulturelles und pädagogisches Zentrum mit Theatern, Museen, Konzerthallen, internationalen Festivals, Business Events und natürlich Bibliotheken und Universitäten. Kasan wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Kasan Panoramatour. Auf der Tour werden wir uns mit der erstaunlichen Geschichte dieser Stadt auseinandersetzen – wir sehen das historische Zentrum mit seinen alten Herrenhäusern, Handelshäusern sowie den industriellen und kulturellen Gebäuden aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Wir bummeln die den Fußgängern vorbehaltene Baumanstraße entlang und stoßen auf die Peter und Paul Kathedrale, die sich harmonisch zum klassizistischen Nachbargebäude, der Staatlichen Universität Kasan, fügt. Das kulturelle Herz der Stadt ist die Kremlyovskayastraße – hier befinden sich das Bolschoi Drama Theater, die Oper von Kasan, die Nationalbibliothek und, ganz in der Nähe, das Rathaus. Nach Bolaqkanal und Qabansee erreichen wir den alten Bezirk der Tataren; nach der russischen Eroberung Kasans waren die Tataren gezwungen, hier zu leben. Die Mardzhani Moschee, die Azimov Moschee und viele weitere strecken in dieser historischen Moslem-Region ihre Minarette gen Himmel. Dort, wo die Kasanka auf die Wolga trifft, befinden sich das Mahnmal der Gefallenen Soldaten, der Landwirtschaftspalast und das moderne Hi Tech-Gebäude des Zirkus‘ von Kasan. Mit dem Besuch des Kremls von Kasan endet unsere Tour.

Besuch des Kremls von Kasan. Dort, wo die Kasanka in die Wolga mündet, thront der alte Kreml über der Stadt und beeindruckt mit seinen Dimensionen und seiner Macht. Die im 12. Jahrhundert von den Bulgaren errichtete Holzfestung wurde von den Mongolen zerstört und von den Tataren als Bollwerk zum Schutz ihres Fürstentums wieder aufgebaut. Nach der Eroberung Kasans befahl Ivan der Schreckliche die Rekonstruktion des Kreml nach exakt diesem Modell – die Fertigstellung erfolgte zwischen 1556 und 1562 durch Meister aus Pskov. Etliche bedeutende historische Gebäude befinden sich innerhalb der Kreml-Mauern, das bekannteste ist die Mariä-Verkündigungs-Kathedrale (1561-62). Wie für viele andere Gebäude in Kasan zu jener Zeit, nutzte man für den Bau der Kathedrale den regionalen Sandstein und nicht den sonst fast überall in Russland verwendeten Backstein. Unmittelbar neben der Kathedrale ist das Haus des Bischofs (1829) – und auch die erst kürzlich im Kreml erbaute Kul Scharif Moschee ist erwähnenswert. Der Gouverneurspalast (1845–1848), auf der Seite des früheren Khan-Palastes errichtet, ist heute der Palast des Präsidenten. Das Kloster Unseres Erlösers aus dem Jahr 1557 ist der christliche Mittelpunkt in dieser von Muslimen beherrschten Welt – es steht direkt neben dem Spasski Turm. Zu den vielen militärischen Gebäuden zählen das Haus der Wache, die Kadettenschule, die Reitschule sowie die Kanonengießerei der Artillerie. Das höchste Bauwerk innerhalb der Kreml-Mauern ist der Sujumbike Turm, benannt nach der letzten Zarin der Tataren. Der Kreml in Kasan ist von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden.

Besuch des Raifa Klosters. Das Kloster liegt etwa 30 km nordwestlich von Kasan inmitten von Pinienwäldern an einem herrlichen See. Gegründet wurde es 1613 von dem Mönch Filarek und 30 anderen Eremiten. Eine der ersten innerhalb der Klostermauern errichteten Kirchen war den orthodoxen Mönchen und Märtyrern in Sinai und Raithu (Raifa in Russisch) gewidmet. 1670 wurde die Georgische Ikone der Muttergottes im Kloster installiert, angeblich seien danach einige Wunder geschehen. Heute kann eine Kopie in der Kathedrale der Muttergottes von Georgien bewundert werden. Zu den wichtigsten Gebäuden gehören außerdem der Glockenturm und die Kirche des Erzengels Michael, durch die wir das Kloster betreten. Die Dreifaltigkeitskathedrale hat eine exzellente Akustik: Vier in der Galerie singende Mönche kann man noch aus einer Entfernung von 2 km hören. 1928 wurde das Kloster von den Sowjets geschlossen, doch einige Mönche kamen nach wie vor, um hier heimlich zu beten. Am 27. Januar 1930 griff die kommunistische Polizei zu, als Mönche und Gläubige des Jahrestages der Märtyrer von Raithu gedachten. Die Betenden wurden gefoltert und hingerichtet. Danach diente das Kloster bis zum Ende des sowjetischen Regimes als Gefängnis und Militärcamp – später wurde es der Kirche zurückgegeben und vollständig restauriert.

Besuch in Swijaschsk. Swijaschsk liegt am Zusammenfluss von Wolga und Swijaga. 1551, während der Belagerung Kasans durch russische Armeen und nach vielen herben Rückschlägen, realisierte Ivan der Schreckliche, dass eine Festung in der Nähe unerlässlich sein würde für einen Sieg. Er beauftragte seine Architekten mit dem Bau einer mächtigen Holzfestung in Uglitsch, etwa 100 km nördlich von Moskau. Die Festung wurde wieder abgebaut, auf Flöße verpackt und nach 1500 km auf der Wolga auf dem Berg Kruglaya wieder aufgebaut. So entstand im Hinterland in nur 24 Tagen eine Anlage, die im Kampf um Kasan das wichtigste russische Bollwerk werden sollte. Nach Ivan IV bekam die Festung den Namen Ivangorod, wurde aber später in Swijaschsk umbenannt. Nach der Eroberung Kasans wurde aus der Festung ein wohlhabendes Kloster, das wesentlichen Anteil an der Evangelisierung der Region hatte. Es war ferner einer der ersten Plätze im Land, an denen gedruckt wurde. Während der Revolution war Swijaschsk Schauplatz intensiver Gefechte zwischen den dem Zar ergebenen Weißen Truppen und den Bolschewiki. Dann schlossen die Sowjets das Kloster, zerstörten viele Kirchen, nutzten die Festung zunächst als Gefängnis, dann als psychiatrische Klinik. Der Bau des Kuybyshev-Reservoirs, das größte seiner Art in Europa und das drittgrößte weltweit, machte aus dem Berg Kruglaya eine Insel, auf der Swijaschsk thront. Nach dem Untergang des Kommunismus wurde Swijaschsk restauriert und steht kurz vor der Auszeichnung als UNESCO Weltkulturerbe. Wir sehen das Kloster Mariä Ruhe (Bogoroditse-Uspenskiy) mit seiner Verklärungskathedrale (1556-1561), das Kloster Johannes des Täufers, die Kathedrale der Muttergottes, das Dreifaltigkeitskloster, die Sergiuskirche (16. Jahrhundert) und die Dreifaltigkeitskirche (1551), einen Holzbau.

Bootstour auf der Wolga. Wir unternehmen eine kurze Reise auf der beeindruckenden Wolga, dem längsten Fluss in Europa und einem der längsten in Russland. Die Wolga durchzieht den europäischen Teil Russlands von Norden nach Süden – beginnend in den Waldai-Hügeln zwischen Moskau und St. Petersburg, fließt sie bei Astrachan ins Kaspische Meer. Wir werden einen tollen Ausblick haben auf die Stadt Kasan mit ihrem Kreml und ihren Stadtmauern, auf die blauen und goldenen Kuppeln der Kathedrale und auf die mächtigen Minarette der Moscheen.